künstlerischer Werdegang

Eindrücke von romanischen Klosterruinen und gotischen Kirchen Ostthueringens. Zeichnen und Aquarellieren in der Natur, Orgelspiel (autodidaktisch).

Nach dem Abitur 1953, Studium an der Hochschule für bildende Künste in Dresden bei den Professoren Bergander und Erich Fraaß. Zeit der 3. Deutschen Kunstausstellung im Albertinum „Sozialistischer Realismus“. Ausleihen von Schriften von und über van Gogh, Klee, Kandinsky nicht erlaubt. Zwar sind für mich die Vorbilder nach wie vor Rembrandt, Leibl, Marees, Slevogt,
es wächst aber das Interesse an den Dresdener Modernen wie: Lachnit, Jüchser, Rudolph und Glöckner, die aber ab 1952 nicht mehr an der Hochschule sein dürfen. Wichtigste künstlerische Eindrücke und Anregungen für eigenes Arbeiten:
die Philharmonie-Konzerte im Hygiene-Museum, Probenbesuche in der Oper (Bruckner, Carl Orff besonders), Kreuzchorvespern und Herbert Collums Orgelkonzerte. Von all´diesen Eindrücken angeregt zu eigenen Versuchen, am Klavier elementare musikalische Vorgänge in Beziehung zu bringen mit Bildprozessen.
Dies alles vor dem Hintergrund der Dresdener Barockarchitektur (Zeichnen im Zwinger, Besuch der Sammlung in
Pillnitz-besonders F. Hodler, ganz wichtig die kleinen Landschaftsbilder von Wilhelm Busch), ab 1955 in der Sempergalerie Werke von Tizian, Rembrandt, dann Holbein, Dix.

Diplomarbeit: lebensgroßes Ganzfigurenportrait, Ab Herbst 1958 in Rostock. Studien vom Bau des Überseehafens in
Rostock-Warnemünde als Förderauftrag. Wohnen im Arbeiterwohnlager des Straßenbaus für ein Jahr.

Ab 1959 erster Kontakt mit dem Bildhauer Jo Jastram, intensiver künstlerisch-geistiger Austausch und Freundschaft bis heute.
Junge Maler werden in Rostock angesiedelt. Aus Dresden noch der Maler Waldemar Krämer, aus Berlin Heinz Woidzicka und Rudolf Austen.
Verschiedene künstlerische Wege zeichnen sich ab und bei Rudolf Austen trifft man sich zu angeregtem Gedankenaustausch. Heftige Diskussionen zwischen den Anhängern eines parteilichen sozialistischen Realismus und denen, die aufgeschlossener gegenüber aktuellen Tendenzen und der klassischen Moderne sind. Beginn der Rostock-Bilder, intensive Beschäftigung mit
Stadt-Räumen und der monomentalen, kubischen Wirkungen der norddeutschen Kirchen, sowie der Rostocker Stadtmauer.

Seit ca 1965 Auseinandersetzung mit den Fläche-Raumdarstellungen der Bauhauskünstler, besonders Paul Klee, Feininger, Schlemmer und Kandinsky. Seitdem der Versuch, eine eigene bildkünstlerische „Grammatik“ zu erarbeiten, an Stilleben aus alltäglichen Gebrauchsdingen und den Räume der Marktstände. Gleichzeitig bestand die Notwendigkeit, Leitlinien zu erarbeiten für die Zusammenarbeit mit den z.T. sehr begabten Teilnehmern an den Malzirkeln (Kulturbund, Malzirkel der Universität Rostock, Förderklasse für Malerei d. Kulturkabinetts).
Dabei entstanden intensive, freundschaftlich-künstlerische Kontakte, die bis heute gehalten haben, z.B. zu Dr. Manfred Zoller, Maler und Professor für Künstlerische Anatomie und Hanns Schimansky, heute Professor für Zeichnen, beide an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin- Weißensee.
Über Jahre Studien und Bilder vom Theater, Schauspiel und Tanz am Volkstheater Rostock, besonders angeregt von der Exil-Theatergruppe aus Chile „teatro lautaro“, durch ihr stark gestisch-pantomimisches Spiel. Intensive Studien im Ballettsaal. Beginn der Freundschaft mit dem Choreografen, Tänzer und Lehrer für historischen Tanz Manfred Schnelle und dem Theologen und Sprach-Philosophen Dr. Peter Heidrich.

Ab den 70-er Jahren zusammen mit ihnen Gestaltung von Retraiten, Einkehrtagen für Studenten mit Meditation, Leibeserfahrung und elementaren zeichnerisch-malerischen „Übungen“.
Aus solcherart einfachstem bildnerisch-personhaften Tuns Anregung zu entsprechend eigenen Versuchen. Seitdem Interesse für chinesische Kalligrafie, aber auch an romanischer Buchmalerei.

Umzug der Familie nach Kossow bei Laage 1990. Kontakt mit Baumaterialien intensiviert Interesse an den Bild-Materialien, Pigmenten (Asche, Holzkohle, Ziegelstein) und Bindemitteln (Kasein, Öl): Erkenntnis, daß sie für eine Bildaussage konstitutiv sein können. Es entstehen „informelle Bilder“, ungegenständlich, bzw. gestisch, die in einer umfassenden Ausstellung in der Kunsthalle gezeigt wurden (Kuratorin: Anni Bardon, damalige Direktorin).

In den Jahren 1970-89 entstehen 2 größere Bildzyklen zum Thema „Verantwortung des Wissenschaftlers“. In den Tafeln für die Mensa der Universität handelt es sich um eine viermalige Verwandlung der Hauptfigur und der Innen-bzw. Außenräume.
Beginn einer Freundschaft mit intensivem Ideenaustausch mit Dr. Hans Bunge, Brechtmitarbeiter, Mitbegründer des
Brecht-Archivs und Regisseur.

Arbeitsschwerpunkt der 90-iger Jahre: Material und sich daraus ergebenen Bildstrukturen und Bildbau, es entstehen Blätter zu diesem Anliegen, intensiviert durch die Lektüre eines Buches von Pouillon „Les Pierres Sauvages“ (Die unbezwingbaren, wilden Steine), dtsch.: “Die singenden Steine“.
Ein fiktives Tagebuch über die Errichtung und den Baubeginn einer Zisterzienserabtei in der Provence im Jahre 1161. Daraus die Ausstellung „ Arbeiten aus dem Atelier-Inszenierung einer Baustelle“ im Kunstverein Rostock, welche eigene Arbeiten im Kontext mit jenem Thema zeigte: Bauten, Köpfe, Figurinen aus gefundenen Steinen, Werkzeuge, - aus der Improvisation,
nicht als Abbildungen, entstandene Körper-und Raumdarstellungen.

Ab 2000 Reisen nach Colmar (Isenheimer Altar ), Zürich, Tessin, Rom und Mainfranken zu Bauten von Balthasar Neumann. Beschäftigung mit den im Gegensatz zu den norddeutschen Bauten ganz anders bewegt-strukturierten Räumen des Barock.
Die asymmetrischen, aus z.T. heterogenen Elementen, aus der Bewegung entstandenen Räume B. Neumanns geben Anregungen zu neuen Bildstrukturen, wobei das Arbeitsfeld sich zwischen den Polen Strukturales, Abstraktes und konkreter Gegenständlichkeit erstreckt.

von Johannes Müller

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